Grüner Veltliner und Bò Lá Lốt Speisenbegleiter Testergebnisse

Weißwein und asiatische Küche werden meist als ein Traumpaar angepriesen v.a. dann wenn der Wein mit Restsüße ausgestattet ist oder ein Grüner Veltliner ist. Wir haben uns dieser Regel wieder kritisch angenommen und die Probe aufs Exempel im exquisiten Vietthao organisiert.
Wir wollten das Klischee unter die Lupe nehmen und haben uns für die Paarung vietnamesische Küche und Grüner Veltliner entschieden. Das Gericht war Bò Lá Lốt, ein vietnamesischer Snack bestehend aus faschierten Rind- und Schweinefleisch, welches in La-lot-Blätter eingewickelt wird und dann am Grill landet. Zum Faschierten gesellen sich noch ein Reihe Gewürze und Kräuter wie etwa Koriander, Nuoc Mam und natürlich Erdnüsse. In unserem Fall wurde das Bò Lá Lốt auf Reisnudeln umgeben von Ananas, Gurken, Karotten, Zwiebel und frischem Koriander serviert.
Bevor wir zu den Ergebnissen und Schlußfolgerungen kommen eine Bemerkung vorweg. Aus meiner Sicht stellt eine derart von Gewürzen und Kräutern dominierte Speise ein gewaltige Herausforderung für den Wein aber v.a.a. für die Verkoster dar. Für mich persönlich war die Ananas ein No-Go, sie hat für mich den Weingenuss nahzu verunmöglicht – ich hab’ sie dann auch weggelassen. Für manch andere sensible Gemüter war wiederum das eine oder andere Kraut eine sensorische Herausforderung. Und dann gab es die, für die alles gepasst hat.
Kurz zur Auswahl der Weine. Wir haben uns diesmal von der Idee leiten lassen hochwertige, reife (hinschtlich des Traubenmaterials, will heißen die Trauben wurden spät gelesen um eine entsprechende Reife d.h. einen hohen Zuckergehalt zu kriegen) und schon ein wenig auf der Flasche gelagerte Grüne Veltliner auszuwählen, mitunter war auch ein wenig Restzucker mit ein Grund für die Präferenz. Wir wählten Weine aus den Regionen Wachau, Kamptal, Weinviertel, Traisental und Wien aus – allesamt aus Österreich.
In mitten all der Prominenz haben wir einen – aus unserer Sicht – Quasi-Piraten gesetzt und zwar einen einfachen Traisentaler aus dem allgemein als schwierig bezeichnetem Jahr 2010.
Die Verkostungsrunde setzte sich aus 12 Personen, darunter 4 Frauen zusammen. Weinexperten und Weingenießer hielten sich in etwa die Waage.
Wir haben ein einfaches Bewertungsschema gewählt, das umgekehrte Schulnotensystem, d.h. 1 war die schlechteste Bewertung und 5 die Maximalbewertung. Die Bandbreite bewegte sich also zwischen 12 und 60 Punkten pro Wein.
Das Ergebnis war nun doch einigermaßen überraschend – zumindest an diesem Abend. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich schließlich der Grüne Veltliner Klassik 2010 Traisental DAC vom Weingut Brindlmayer gegen den Grünen Veltliner Smaragd 2008 vom Nikolaihof durch.

 

Ergebnis Grüner Veltliner und Bò Lá Lốt (Vietnam)


Das Ergebnis in einer Grafik zusammengefasst.

Schlussfolgerungen:

  • Zwei Weine konnten sich deutlich absetzen und haben die Wein-Speisen-Paarung für sich entscheiden können.
  • Gewonnen hat der Grüne Veltliner Klassik 2010 vom Weingut Brindlmayer aus dem Traisental. Er konnte fünf Mal die Höchstnote 5 für sich verbuchen und hat damit den knapp zweitplatzierten Grünen Veltliner Smaragd, der nur einmal die Fünf erhielt auf Distanz halten. Wenn man so will hat der Smaragd mit hoher Gleichmäßigkeit bei allen Verkostern gepunktet, während der Siegerwein ein wenig mehr polarisiert hat.
  • Vom Charakter können die beiden unterschiedlicher nicht sein, in einem Fall ein Smaragd aus der Wachau, der schon ein wenig gereift ist und andererseits ein vergleichsweise einfacher junger Wein.
  • Der Veltliner aus dem Traisentel steht auf lössigem Boden, der Smaragd auf Urgestein – auch hier läßt sich keine Empfehlung ableiten zumal die unterlegenen Weine auch teilweise auf Löss stehen.
  • Interessant ist, dass der Alkohol insofern entscheidend war, als die Weine mit deutlich weniger Alkohol gewonnen haben. Die Siegerweine haben beide 12,5% Volumsprozent.
  • Der Grüne Veltliner mit ein wenig Restzucker konnte diese, als positiv unterstellte Eigenschaft im Hinblick auf asiatische Gerichte, nicht ausspielen.
  • Einige Verkoster meinten, dass der Schenkenbichl von Jurtschitsch exzellent zu trinken sei, sich aber gegen die Gewürze und Kräuer nicht in Szene setzen konnte.
  • Bei kritischer Betrachtung (und das ist jetzt sehr subjektiv und sicherlich einer falschen Analogie geschuldet und liegt vermutlich an der Mangelhaftigkeit des Bewertungsschemas) muss man sagen, dass eigentlich nur 3 Weine bestanden haben.
  • Abschließend könnte man formulieren, dass zu einem sehr würzigen Essen wie dem Bò Lá Lốt offenbar ein Grüner Veltliner mit mäßigem Alkohol und prägnanter Säure harmoniert; jedenfalls stellte sich abermals heraus, wie vielfältig die Welt des Grünen Veltliners ist.
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