Wein, Web und Geselligkeit

Dem Text darf hinzugefügt werden, dass die Konferenz meine Erwartungen übertraf und als voller Erfolg für die Veranstalter und für den Hauptsponsor ÖWM verbucht werden darf.

An die 200 Weinblogger, mithin Weinexperten aus zahlreichen Ländern, die über das Internet kommunizieren und publizieren, hielten vom 22. bis 26.Oktober 2010 die „3. Europäische Weinblogger Konferenz“ im Schloss Schönbrunn in Wien sowie vor Ort in wichtigen Weinbaugebieten ab.

Dezember 2007: Aus einer Laune heraus beschließen zwei Amerikaner und ein Brite – alle drei (wein)geschäftlich in Spanien verwurzelt – eine Versammlung gleichgesinnter Internetnutzer, sogenannter Weinblogger, einzuberufen. Kurz darauf – im Sommer 2008 – versammelten Gabriella Reynes Opaz und Ryan Anderson Opaz (Catavino.net) sowie Robert McIntosh (Wineconversations.com) eine erste Gruppe von Weinbloggern aus Europa in Spanien.

Die Weinblogger sind eine avancierte Gruppe von Teilnehmern am Weinmarkt: Zu ihnen zählen Weinjournalisten, -kritiker und -händler, Winzer sowie Marketing- und PR-Manager, für die Social Media der bevorzugte Kommunikationskanal ist. Mit Social Media bezeichnet man Web-Anwendungen, deren Nutzen in mannigfaltiger und wechselseitiger Kommunikationen mit einer Vielzahl von inhaltlich Interessierten liegt. Solche Anwendungen sind etwa Weblogs, Facebook, Twitter, Flickr, Tumblr etc. – allesamt Publishing- und Vernetzungs-Werkzeuge des Internet. Die häufige, andauernde und persönliche durch das Web vermittelte Kommunikation schafft eine Vertrautheit zwischen den weltweit verteilten Weinbloggern, die beinahe zwangsläufig zu geselligen Begegnungen IRL (In-Real-Life), also im „echten“ Leben, führt.

An der Tagesordnung der 5-tägigen Konferenz, die rund 200 Besucher zählte, standen zweierlei Formen der Fachsimpelei: einerseits die Auseinandersetzung mit vorwiegend österreichischen Weinen und andererseits die Diskussionen über den erfolgreichen Einsatz des Webs in Sachen Kommunikation, Marketing und Vertrieb in der Weinwelt. Die Weinblogger nehmen damit eine Entwicklung vorweg, die das derzeit noch weitgehend traditionelle Kommunikationsfeld der Weinbranche wohl beträchtlich verändern wird.

Für die kürzlich über die Bühne gegangene Wiener Konferenz wurde die Österreich Weinmarketing GmbH (ÖWM) als Hauptsponsor gewonnen. Freilich war es dabei das vorrangige Ziel der ÖWM, das vornehmlich internationale Publikum von der guten Qualität des österreichischen Weins zu überzeugen und zu seinen Botschaftern zu machen. Die Konferenz bot von daher ideale Rahmenbedingungen klassischer Vernetzungsarbeit. Ein weiteres Ziel bestand in der Positionierung Österreichs als fortschrittliches Weinland. „Österreich ist ein innovatives Weinland, das begann nicht erst beim Einsatz des Schraubverschlusses und setzt sich mit dem Fokus auf Social Media, ein zentraler Vermarktungskanal der Zukunft, fort“, erklärte Susanne Staggl von der ÖWM.

Die Teilnehmer nutzen die Konferenz um die online-geknüpften Beziehungen zu bekräftigen, die kommerzielle Nutzung des Webs zu erörten und österreichischen Wein intensiv kennenzulernen. Über all der virtuellen Kommunikation stand jedoch letztlich die Frage, wie man über ein Genussmittel kommuniziert ohne es in Händen zu halten und zu schmecken. Insofern ist das Web immer nur ein – wenn auch mächtiges – Hilfsmittel, welches uns im Wege eines speziellen Diskurses zum Genussmittel führt.

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Der Artikel ist in leicht abgeänderter Form in der Herbstbeilage 2010 der Wiener Zeitung erschienen.
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